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Überraschungskandidat - aber wohl kaum eine überraschende Wahl - US-Akademiker Jim Yong Kim tritt an Spitze der Weltbank




 

Washington, 16. April (AFP) - Seine Nominierung war eine Überraschung, doch
seine Wahl war alles andere als überraschend. Kurz vor Ablauf der Frist
zauberte US-Präsident Barack Obama den Universitätsrektor Jim Yong Kim als
Kandidaten der USA für den Präsidentenposten bei der Weltbank aus dem Hut. Am
Montag wurde er wie erwartet vom Verwaltungsrat der Finanzinstitution zum
Nachfolger von Robert Zoellick ernannt, der sein Amt Ende Juni nach fünf
Jahren abgibt.

Der bislang selbst in seiner Heimat kaum bekannte Mediziner hatte von
Anfang an beste Chancen, neuer Chef der Finanzinstitution zu werden - denn
traditionell steht immer ein Bürger aus den USA an der Weltbank-Spitze. Diese
ungeschriebene Regel für den Spitzenposten der Weltbank stellen Staaten wie
China, Russland, Indien oder Brasilien angesichts des wachsenden Gewichts der
Schwellenländer aber zunehmend in Frage.

Vielleicht hilft angesichts dieser Kritik Kims Herkunft, um die Gemüter zu
beruhigen: Der 52-Jährige wurde in Seoul, der damals bitterarmen Hauptstadt
des heute wirtschaftlich aufstrebenden Südkorea, geboren. Sein Vater war
damals zuvor aus Nordkorea geflohen. Mit fünf Jahren kam Kim in die USA. Er
wuchs im Bundesstaat Iowa im mittleren Westen auf und trat schließlich mit
einem Medizinstudium in die Fußstapfen seines Vaters.

Kim bewies sich schnell als erfolgreicher Student, mittlerweile hält er
gleich zwei Doktortitel: einen in Medizin, einen weiteren in Anthropologie.
Seine Karriere widmete der gebürtige Südkoreaner lange Zeit vor allem der
Forschung. Seine Konzentration auf Aids und Tuberkulose führte Kim in Richtung
Entwicklungshilfe. Er ist einer der Gründer der Vereinigung Partners in
Health, die sich Behandlung und Prävention benachteiligter Menschen in armen
Ländern auf die Fahnen geschrieben hat.

Von 2003 bis 2007 arbeitete er bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
für eine Initiative, die Bedürftige in Entwicklungsländern mit
Aids-Medikamenten versorgen sollte. Kim ist verheiratet mit Younsook Lim,
einer Kinderärztin, die bereits mit HIV-positiven Kindern in Afrika arbeitete.
Seit 2009 leitet der US-Weltbank-Kandidat nun die Eliteuniversität Dartmouth
College.

Die genauen Positionen Kims zur Weltbank und der Enwicklungspolitik sind
seit Bekanntwerden seiner Kandidatur allerdings eher im Dunkeln geblieben.
Immer wieder allerdings hatte er in der Vergangenheit die Entwicklungshilfe
der Industriestaaten kritisiert, die seiner Ansicht nach zu niedrig und zu
wenig zielgerichtet ist. 2002 forderte er in einem Auftritt vor dem US-Senat,
die Ausgaben der USA für den Kampf gegen Aids "deutlich" zu steigern.

"Es ist an der Zeit, dass ein Profi für Entwicklungshilfe die größte
Entwicklungshilfe-Organisation der Welt führt", begründete nun Obama seine
Entscheidung für Kim. Doch Kritiker bemängeln, Kim sei zu sehr auf Medizin
fokussiert, er könnte andere Themen dadurch aus dem Blick verlieren.

Derlei Vorwürfe weist Kim zurück: Die wirtschaftliche Entwicklung und der
Kampf gegen Armut seien derart komplexe Themen, dass eine einzige Disziplin
ohnehin nicht ausreiche, um sie voranzutreiben. "Die Weltbank hat viele extrem
erfahrende Volkswirtschaftler. Ich kann es kaum erwarten, mit ihnen zu
arbeiten", sagte er in einem Interview mit der "New York Times".

Dass Kim neben der Medizin auch andere Begabungen hat, machte er auch in
seiner Position als Rektor des Dartmouth College deutlich. Kurz nach seiner
Nominierung für die IWF-Spitze gewann im Internet ein Video an Popularität: In
eine weiße Lederjacke gekleidet, mit Sonnenbrille, singt, tanzt und rappt der
Unirektor dort bei einer Feier der Uni gemeinsam mit Studenten.



 




Information in this article was accurate in April 16, 2012. The state of the art may have changed since the publication date. This material is designed to support, not replace, the relationship that exists between you and your doctor. Always discuss treatment options with a doctor who specializes in treating HIV.