
Genf, 26. Juni (AFP) - In einem dringenden Appel hat die Internationale Föderation von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond (IFRC) gefordert, die Aids-Epidemie im südlichen Afrika als Katastrophe anzuerkennen und damit Überschwemmungen und Hungersnöten gleichzustellen. Es gebe "keinen Zweifel", dass die Lage der UN-Definition einer Katastrophe entspreche, heißt es in dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Welt-Katastrophenbericht der IFRC. Aufgrund wirtschaftlicher Belastung und sozialer Spannungen seien die Konsequenzen der weiten Verbreitung der Krankheit für alle Menschen der Region spürbar.
Die Vereinten Nationen definieren eine Katastrophe als "ernsthafte Störung des Funktionierens einer Gesellschaft, die weit verbreitete menschliche, materielle oder ökologische Verluste hervorruft, die die Fähigkeit einer Gesellschaft zur Bewältigung allein mit eigenen Mitteln übersteigt". Diese Situation sei im südlichen Afrika gegeben, wo rund zwei Drittel der weltweiten HIV-Erkrankungen aufträten, heißt es in dem IFRC-Bericht. Mindestens jede zehnte Person in Ländern wie Südafrika, Simbabwe, Botswana, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Swasiland oder Sambia lebe mit dem Aids-Erreger. Die Situation gebe Anlass zur Sorge, warnen die Hilfsorganisationen.
Die Krankheit führe zu einer Verminderung der menschlichen Ressourcen im südlichen Afrika, da die Erkrankung und der Aids-Tod unter Arbeitnehmern aller Berufe aufträten, warnten die Hilfsorganisationen. Neben den hohen Kosten für die medizinische Versorgung der Infizierten ziehe die hohe Verbreitung von Aids schlechte Gesundheits- und Erziehungssysteme, den Mangel an Fachkräften sowie eine marode Infrastruktur nach sich. Dem Bericht zufolge erhalten von den 9,7 Millionen erkrankten Menschen in der Region nur drei Millionen die nötigen Medikamente.
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